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Buchbesprechung
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Sokolows
Universum
von
Leon de Winter
Das Grundmuster des Romans ist eine Männerfreundschaft, die ausführlich mit
allen Gefühlsregungen, der einander so unähnlichen und
deshalb füreinander interessanten heranwachsenden Jungen, Lew
und Sascha, entwickelt wird.
Während Lew Leswaja skrupellos für seinen eigenen Vorteil arbeitet, und sich
nicht um Vorschriften und Gesetze schert, ist Sascha Sokolow ein von
Selbstzweifeln und ängstlichen Grundsätzen prinzipienfester
Mensch. Beide entdecken durch Zufall, dass sie jüdischer
Herkunft sind, und bewahren dies als zwingendes Geheimnis. Beide
gelangen sie über ihre grosse Begabung an die Spitze der
russischen Forschung, in das Raketenprogramm.
Ernst und Spiel ihrer Charaktere sind deutlich verteilt.
Sascha begreift sich als strenger Wissenschaftler, dem die Ehrlichkeit ein
Verhaltensgrundsatz ist, und Lew als Forscher, der herausfinden will,
wo das Denkbare anfängt machbar zu werden. Zitat: Genau
wie das All ist das menschliche Verhalten grenzenlos und erobert sich
seinen Platz in der Welt, wenn nötig auf Kosten anderer.
Sascha Sokolow, der mit seinem Freund Lew zu einem der profiliertesten
Raumfahrtexperten aufgestiegen war, führt nun, nach Israel
ausgewandert, ein klägliches Leben als Straßenfeger in Tel
Aviv. Sein Entgelt reicht gerade, den täglichen Alkoholkonsum zu
finanzieren. In wodkaseligen Nächten geht er dann auf
Traumreisen in die Vergangenheit.
Immer wieder überlappt de Winter die Rückschau mit gegenwärtigen
Szenen, und unterfüttert sie mit Sascha's schweren Träumen:
Erinnerungen an seine Schul- und Studienzeit, seine Exfrau, und immer wieder an
jenen Tag, im Jahre 1985, als die bemannte Rakete , erbaut nach Lews
Plänen, ein paar Stunden nach dem Start mit einer gewaltigen
Explosion Saschas Leben veränderte.
Konstruktionsfehler, Sabotage, oder gar Mord?
Schon zu Beginn des Romans wird Sascha, während er für die Sauberkeit der
Strassen Tel Aviv's tätig ist, Zeuge eines Mordes, bei dem
er seinen alten Freund Lew als Täter zu erkennen glaubt.
Tatsächlich taucht dieser einige Tage (wir sind jetzt in der Romanmitte) in
seiner schrecklichen Behausung auf und bietet dem heruntergekommenen
Sascha glänzende Zukunftsaussichten an, rettet ihn aus der
Alkoholabhängigkeit schnurgerade in ein Gestrüpp aus
undurchsichtigen Kapitalmachenschaften und Mafiaannäherungen in
einen komfortablen Wohlstand. Zu spät bemerkt der Moralist
Sokolow die Problematik seiner Abhängigkeit zu Lew. Freundschaft
und Moral stehen auf brüchigem Podest, selbst Israel, die Heimat
der Juden, stellt sich als korrupter Staat dar. Es wird hochkomplex
zum Ende des Romans, und mit Spannung wenden wir die Seiten, um in
Erfahrung zu bringen, ob Sokolow ein Werkzeug des Bösen geworden
ist. Der Schluss überrascht, und entlässt uns mit der
Frage, ob menschliches Handeln von Eigeninteresse oder von Idealen
geleitet wird.
Sokolows Universum, ein spannender Thriller.
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