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Buchbesprechung



Die fünfte Frau
von Henning Mankell

Kiminalromane liest man häufig, wenn Zeit übrig ist, oder wenn man sie hinter sich bringen will. Gestohlene oder geschenkte Zeit?

"Die fünfte Frau" von Henning Mankell ist ein Kriminalroman, der einem das Wochenende geben und nehmen kann.

Die Story:

Kurt Wallander ist ein Kriminalist der anderen Art. Ein Mann in den besten Krisenjahren, geschieden, mit unerfüllten Träumen vom eigenen Haus samt Hund und weniger Problemen mit seiner Tochter und seiner Freundin.

Er ist Polizist aus Überzeugung, doch empfindet er zunehmend ein Gefühl von überwältigender Hilflosigkeit angesichts der steigenden Kriminalität in seinem Land, in dem einst verbindliche Moralvorstellungen ihre Gültigkeit verlieren und entsorgt werden wie ein paar Socken, die niemand mehr stopfen will.

Der neue Fall überfordert fast Wallanders Kräfte. Die drei getöteten Opfer, angesehene Bürger mit wohltuend äußerer Normalität, die untereinander keine Verbindung hatten, waren egozentrische und gewalttätige Männer, die ihre Frauen mißhandelt oder vielleicht zu Tode gebracht haben. Da er den Sinn dieser Morde nicht versteht, kann er nicht gezielt sondern lediglich flächig suchen, indem er von den drei Opfern möglichst genaue Profile mit ihren Lebenszusammenhängen erstellen läßt.

Endlose Konferenzen in der Hoffnung auf ein vergessenes Indiz prägen die Ermittlungen, Puzzleteilchen, die nicht zueinander passen wollen, entmutigen ihn nicht in seinem Gespür, dass in den Zwischenräumen die Wahrheit zu suchen ist, bis er schließlich eine übertragbare Handschrift, eine gemeinsame Sprache der Taten entschlüsselt.

Wallander will nicht bloß die außergewöhnliche Regie dieser Taten untersuchen, sondern auch deren mutmaßliche Beweggründe. Denn seiner Ansicht nach muss Polizeiarbeit auch die Zeichen der Zeit deuten können, damit Veränderungen in den Tatmotiven verständlich werden.

Dass die sozialen Umstände, und nicht naturbedingt böse Menschen Gewalt auslösen, wird exemplarisch mit den Ermittlungen Wallanders deutlich.

Dieser Einblick in die Schattenseiten des schwedischen Alltagslebens hebt dieses Buch aus dem Rahmen branchenüblicher Kriminalromane heraus. Der Mörder handelt, wie Kommissar Wallander bemerkt, "als eigene Bürgerwehr, und eine solche Anmaßung unterhöhlt das Rechtssystem, stellt es stärker in Frage als jede Mordtat."

Henning Mankell entwirft in seinem Roman ein pessimistisches Bild auf Schweden, ein Land in dem viel gearbeitet, viel gegrübelt und wenig gelacht wird. Mankell, der auch als Jugendbuchautor, Theaterregisseur und Intendant tätig ist, gehört zu den erfolgreichsten schwedischen Schriftstellern der neunziger Jahre. Sein Roman mit dem allzu menschlichen Kommissar Wallander steht unangefochten auf den hiesigen Bestsellerlisten.

Henning Mankell: Die fünfte Frau. Aus dem Schwedischen, 544 Seiten.

© Jürgen Werner